Der grösste Versicherungsbetrüger der Welt - The Broker

Der grösste Versicherungsbetrüger der Welt

Der grösste Versicherungsbetrüger der Welt
Bild von press thumb up and star auf Pixabay

Seit Jahrzehnten gibt es umfangreiche Sanktionen gegen Nordkorea: Die Lieferung von Waffen, Rohstoffen, Maschinen, Chemikalien, Luxusgütern, Fahrzeugen, Textilien und mehr ist international geächtet. Fast kein Land der Welt handelt noch unverdeckt mit dem totalitären Regime. Das Volk leidet, sein kriminelles Regime aber lebt in Saus und Braus.

Von den wenigen Ländern, bekannt ist vor allem die Volksrepublik China, mit denen die Diktatur trotz globalem Embargo noch sehr eingeschränkten Handel treiben kann, importiert die Demokratische Volksrepublik Korea, wie Nordkorea offiziell heisst, viel mehr als sie exportiert. Die Staatsschulden sind entsprechend astronomisch hoch, die eigene Landeswährung nichts wert und die Bevölkerung leidet unter chronischer Nahrungsmittelknappheit. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt nach inoffizieller Rechnung des Internationalen Währungsfonds 1 229 US Dollar (pro Jahr!) und selbst dieses verteilt sich zwischen der kleinen Führungsclique und dem gemeinen Volk extrem ungleich. 

Entgegen dem Bild eines reichen Staats, das der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un nach innen mit aller Härte propagiert, leben über 25 Millionen Menschen in bittererster Armut. Derweil leistet sich der totalitäre Herrscher und Massenmörder die zahlenmässig viertgrösste Armee der Erde, hat sein Land zur Atommacht hochgerüstet, lässt rund 30 000 gigantische Denkmäler und Museen zu seinen Vorfahren unterhalten sowie ständig neue errichten und lebt selber trotz restriktiven Aus- und Einfuhrsprerren in unbeschreiblichem, meist westlichen Luxus. Wie bloss lässt sich das nur finanzieren? Woher kommen seine vom Embargo mitbetroffenen deutschen Mercedes S Limousinen und Maybachs? Woher Paläste, enormen Bestechungsgelder und privaten Vorräte, die laut seinem früheren Leibkoch alleine ein Lager von Kims bevorzugter Cognacgmarke im Wert von über einer Million Euro enthalten soll?   

Das Finanzierungswunder ist international kein Geheimnis mehr. Die wichtigsten Säulen sind Versicherungsbetrug, Geldfälschung, Cyberangriffe und moderne Sklaverei. Letztere ist erst in jüngster Zeit im Westen zum Thema geworden. Ausbeutung der Arbeitskraft von Bevölkerung und zigtausend Gefängnisinsass*innen ist ein Verbrechen, welches nicht weiter erklärt werden muss.

Versicherungsbetrug im ganz grossen Stil

Wie der weltgrösste Wirtschaftsbetrug über Kims legendäres «Büro 39» scheinbar problemlos funktioniert, sei hier an zwei von zahlreichen anderen dokumentierten Beispielen erklärt. 2005 und 2006 gingen bei internationalen Versicherern parallel gleich mehrere Forderungen ein. Ein Helikopter sei in Pjöngjang abgestürzt, zwei Züge verunglückt und eine grosse Fähre gesunken. Alle Fälle waren gut im Ausland versichert, die «Korea National Insurance Corporation» KCIN hat als Gesellschaft mit beschränkter Haftung im nordkoreanischen Staatsbesitz allein mit sogenannten Helikopterabstürzen mindestens 58 000 000 US Dollar von verschiedenen globalen Versicherern erhalten. Ähnliche Summen wurden für angebliche Flugzeug- und Schiffsverluste geltend gemacht. Diese «Unfälle» wurden jedoch laut hochrangigen Überläufern nur inszeniert. Und obwohl die Fotos der Unglücksorten sich als plumpe Fälschungen erwiesen, zahlten die Versicherungen. 

Büro 39 untersteht direkt Diktator Kim Jong-un und 1974 wurde von seinem Vater gegründet. Diese vordergründig geheime Einrichtung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit, dient der Finanzierung des nordkoreanischen Regimes und befindet sich in einem riesigen, aber dennoch unscheinbar wirkenden, grauen Betonbau der Hauptstadt Pjöngjang. Tausende Mitarbeitende sollen in dieser Organisation mit einem weltweiten Netzwerk aus Tarnorganisationen, Briefkastenfirmen und ausländischen Geheimkonten arbeiten. Indizien weisen darauf hin, dass sich Büro 39 weltweiter krimineller Machenschaften bedient, um Devisen zu beschaffen. Flüchtlinge aus Nordkorea bestätigen die Existenz dieses Betrugszentrums, inzwischen leugnen nicht einmal mehr Regime-Mitglieder dessen Realität.

Dem staatlichen Monopolunternehmen wurde später Versicherungsbetrug im Zusammenhang mit Devisenbesorgungen für das nordkoreanische Atomprogramm vorgeworfen und inzwischen zumindest teilweise von den Vereinten Nationen und anderen Länder sanktioniert.

Nordkoreas Vorgehen ist und bleibt unglaublich dreist. Bei einem vermeintlichen Flugunfall mit Nummer 2005 soll der Helikopter angeblich, während er eine schwangeren Frau ins Krankenhaus geflogen haben soll, auf ein Lager gestürzt sein. Die KCIN forderte vom Rückversicherer Allianz Global Corporate & Speciality AG die Auszahlung sämtlicher Schadenskosten auch für dieses Ereignis. Die Allianz verweigerte zunächst eine Auszahlung, weil der Rückversicherer von Betrug ausging. KCIN erreichte ein Urteil innerhalb des eigenen Landes, also einem nordkoreanischen Gericht, welches die Allianz dazu verpflichtete, 44 Millionen Euro zu zahlen. 

Der Fall landete schliesslich beim High Court of Justice in Grossbritannien und dem Court of Appeal. Schliesslich einigte man sich auf die Zahlung von 95 Prozent der geforderten Summe.

Erlaubnis zum Gelddrucken

Eine Erlaubnis zum Falschgelddrucken hat natürlich selbst Kim Jong-un nicht. Nordkoreas Währung, der Won (100 Won = 0,1 Schweizer Franken), hat praktisch keinen Wert. Um Panzer oder anderes Kriegsgerät kaufen zu können, benötigen die Nordkoreaner aber harte Devisen, vor allem US Dollar, chinesische Yuan oder Euro. Eine typische Aufgabe für Büro 39.

Erst Ende der 1980er-Jahre gelangten die kriminellen Machenschaften im grossen Stil von Office 39 zum ersten Mal an die breite Öffentlichkeit. Die Nordkoreaner*innen benutzten damals zum Fälschen gekaufte Gelddruckmaschinen, die sie zuvor gekauft hatten und produzierten 100 US Dollar-Noten in solcher Perfektion, dass die Scheine sogar vom US-Geheimdienst «Supernotes» genannt wurden. Die Druckmaschinen waren identisch mit demselben Modell, mit welchem die Vereinigten Staaten ihr Geld produzierten. Mehr noch: sie waren identisch.

Diese Super-Banknoten wurden in der Folge nordkoreanischen Diplomat*innen in deren unkontrollierbarem Gepäck mitgegeben, die sie im Ausland auf Bankkonten einzahlten, um sie sich mit nötigem zeitlichem Abstand in echte Dollar auszahlen zu lassen. Das Falschgeldprogramm dürfte einen Umfang von mindestens mehreren Milliarden US Dollar haben. Genaue Schätzungen sind allerdings schwierig. Experten halten es für möglich, dass die Blüten inzwischen so gut geworden sind, dass sie gar nicht mehr auffallen. 

Geldflüsse durch Cyberangriffe

Praktisch niemand der nordkoreanischen Bevölkerung hat Zugang zu freiem Internet. Trotzdem verfügte das Land bereits sehr früh über eine Cyberarmee. Rund 1 800 hochqualifizierte Hacker*innen sollen heute für das Land im Einsatz sein. Eigens dafür wurde eine zusätzliche Staatsstelle eingerichtet: Büro 121. Dies ist der Name einer 1998 gegründeten Abteilung des Geheimdienstes namens Generalbüro für Aufklärung. Sie betreibt unter dem Begriff «Geheimer Krieg» einen gewaltigen Cyberkrieg. 2016 wurde die Zentralbank von Bangladesch gehackt und Millionen US Dollar gestohlen. Das FBI ist überzeugt, dass Nordkorea inzwischen bei zahlreichen anderen, durchaus renommierten Geldhäusern weitere beträchtliche Summen «abgehoben» hat. Aus Sicherheitsgründen gelangen solche Verbrechen sehr selten an die Öffentlichkeit.

Für einen öffentlichen Skandal sorgte der Cyberangriff durch den WannaCry Hack 2017. Mit diesem Computerwurm wurden über 200 000 Windows-Computer in 100 Ländern infiziert und alle ihre Daten verschlüsselt. Verlangt wurde auf den Bildschirmen eine Lösegeldforderung über 300 US Dollar in Bitcoin, um die eigenen Daten wieder zurückzuerhalten. Sonst würden die Informationen für immer verschlüsselt bleiben, so die Drohung. Schäden von hunderten US Millionen sind bekannt. Die amerikanische, britische und australische Regierung sind sich sicher, dass Nordkorea hinter der Erpressung steckte und so zünftig Cash auch von Privatpersonen generierte. 

Es bleibt die gesicherte Erkenntnis: Auch Versicherungen sollten besser die Finger weglassen von Herrn Kim und seinen Geschäften. Selbst wenn der Partner «Korea National Insurance Corporation» heisst.

Binci Heeb

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