Junges Versicherungs-Start-up Helvengo will noch 2021 expandieren - The Broker

Junges Versicherungs-Start-up Helvengo will noch 2021 expandieren

Junges Versicherungs-Start-up Helvengo will noch 2021 expandieren
Die drei Co-Founder und Managing Directors Vedran Pranjic, Felix Huemer und Benedikt Andreas. ©Helvengo

Mit «detaillierter Risikoanalyse», «modularem Produkt» und «effizientem Prozess» preisen die drei Gründer des Zürcher Insurtechs Helvengo ihr Produkt an. Die ehemaligen Mitarbeiter des Berliner Start-ups Wefox Vedran Pranjic, Felix Huemer und Benedikt Andreas haben ihre Firma erst vor sieben Monaten gegründet und schon denken schon daran, nach Österreich und Deutschland zu expandieren. Viel Lärm um nichts oder eine geniale Strategie?

Die Expansionspläne seien bereits weit fortgeschritten: «Wir gleisen momentan die ersten Kooperationen mit deutschen und österreichischen Partnern auf», sagt Vedran Pranjic, Mitgründer von Helvengo. Einer der Investoren, die Hypoport, habe mehrere Portfoliounternehmen die genau in das eigene Vertriebskonzept von Helvengo passten. Dadurch könne die Helvengo «direkt mit einem Knall im deutschen Markt starten», so Vedran Pranjic. Neben dem DACH-Raum sei jedoch, mit Ausnahme von den Niederlanden und Grossbritannien, jeder Markt in Europa spannend, in dem Broker und Makler der stärkste Vertriebskanal für Versicherungen sind.

Die gute Konjunktur der letzten Jahre ermöglichte es vielen Unternehmern erfreuliche Gewinne zu machen. Deshalb wurde viel weniger an Risiken gedacht, geschweige denn an die wirtschaftlichen Folgen einer weltweiten Pandemie mit Shutdowns sowie teilweise monatelangen Betriebsverboten und strikte behördlichen Auflagen auch in der Schweiz. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen haben die Haltung von Unternehmer*innen gegenüber unvorhersehbaren Risiken grundlegend verändert. Versicherte suchen seitdem nach passgenaueren Lösungen, wovon die Helvengo mit ihrer neuen Schweizer KMU-Versicherungslösung profitieren will.

Die deutsch-japanische Namensfindung des neuen KMU-Versicherers setzt sich aus Helvetien und Engo, japanisch für Schutz und Unterstützung zu Helvengo zusammen. Bisher werden vornehmlich Firmen im Dienstleistungsbereich versichert: IT, Telekommunikation, Medien, Beratung. Selbstverständlich geschieht dies nicht mehr analog, denn die Gründer haben sich auf die Fahne geschrieben, den Markt für KMU-Versicherungen digitaler und damit kostengünstiger zu machen.

Wie funktioniert das Angebot?

Mit einer umfangreichen, KI-gestützten Risikoanalyse sollen die spezifischen Risiken eines Betriebs erkannt werden. Seine sogenannten «modularen Produkte» erlauben es Helvengo nach deren eigenen Angaben gemeinsam mit 12 Mitarbeitenden die identifizierten Risiken zusammenzustellen und die passende Deckung in kürzester Zeit zu anzubieten. Nutzer*innen erhalten die Police nach finaler Auswahl der Module in wenigen Minuten per E-Mail zugesandt. Für das Matching arbeitet Helvengo mit dem deutschen Versicherer Markel Insurance SE zusammen.

Exklusive Zusammenarbeit über Broker: Kritischer Partner, Filter und Absicherung für Kunden?

Verträge können nicht direkt mit Helvengo abgeschlossen werden. Dazu benötigt es eine*n Versicherungsbroker*in, denn diese*r kann ganzheitlich beraten und kennt die Kundschaft in den meisten Fällen bereits sehr gut. Aus der Zusammenarbeit der Expertise von Helvengo und Broker erhält die Kundschaft das passendste Angebot.

Aus dem Ergebnis der Risikoanalyse, gepaart mit den flexiblen Produkten, wie der Cyber-Versicherung, der D&O-Versicherung (Organhaftpflichtversicherung) und der Betriebshaftpflichtversicherung, wird eine massgeschneiderte Versicherungsdeckung für die jeweiligen Unternehmen angeboten. Die Police soll die Kundin oder der Kunde sofort per E-Mail erhalten. Damit ist sie oder er ab diesem Zeitpunkt versichert. Helvengo arbeitet dafür mit ausgewählten KMU-Brokerpartner*innen, aber auch Makler*innen zusammen. Mittlerweile seien es bereits zwanzig Partner*innen.

«Bisher haben wir noch eine sehr konservative Strategie, was die Broker- und Maklerbindung angeht», so Vedran Pranjic. Die Kooperation mit ihren Alpha- und Beta-Broker*innen erfolge auf sehr partnerschaftlicher Basis. Diese wüssten, dass es bei der neuen Plattform noch zu Fehlern kommen kann. Deshalb gäbe es enge Feedback-Runden geben, um die Plattform weiterzuentwickeln und gemeinsam die beste digitale KMU-Versicherungslösung zu entwickeln. Daraufhin soll die Lösung dem ganzen Schweizer Brokermarkt zur Verfügung stehen. Noch gibt es für interessierte Broker*innen freie Plätze für die Beta-Phase. Ihnen winken bessere Konditionen als Broker*innen, die erst beim geplanten grossen Go-Live einsteigen.

Ambitionierte Pläne

Helvengo ist derzeit mit zwei weiteren Schweizer Risikoträgern in abschliessenden Gesprächen, um neue Produktideen zu lancieren. Es handelt sich dabei um weitere Produkte für bestehende Zielgruppen sowie um eine Erweiterung der abgedeckten Branchen. Mit den neuen Produkten sollen Branchen wie Handel, Gastronomie und Handwerksgewerbe angesprochen werden. Daneben ist für 2021 eine zusätzliche Finanzierungsrunde geplant, erste Investorengespräche liefen bereits, sagt Vedran Pranjic. Das Kapital soll vor allem genutzt werden, um das Go-Live in der Schweiz zu vermarkten, die geplante Expansion nach Deutschland und Österreich zu starten und auch weiter an neuen Helvengo-Produkten zu arbeiten.

Vom neuen Datenschutzgesetz DSG erwarten die Helvengo-Gründer eine positive Entwicklung für ihre angebotenen Versicherungsprodukte. Die Vermögensschaden-Haftpflicht und Cyberversicherung besitzen beide Module und Deckungen, die sich auf das Thema Datenschutz und die daraus resultierenden Risiken beziehen. «Das Thema ist gerade bei KMUs noch nicht präsent und wir wollen hier sicherlich eine Vorreiterrolle im Schweizer Markt übernehmen», sagt Vedran Pranjic.

Keine Luftnummer, aber es bleiben Fragen

Die Konzepte von Helvengo wirken professionell, die eingeschlagenen Wege kreativ. Auch – oder vielleicht gerade – weil sie von einem jungen Start-up stammen. Die von den Initianten formulierten Ziele sind nachvollziehbar, haben in wichtigen Bereichen allerdings noch Projektcharakter. Auf der Homepage aufgeführte Kundenreferenzen sind positiv, jedoch spärlich, grosse Namen fehlen. Die aggressive Prognose «direkt mit einem Knall» in neue Märkte vorstossen zu können, lässt einzelne Branchenspezialisten die Stirne runzeln. Noch fehlen publizierte und überprüfbare Zahlen des Unternehmens.

Das für eine Aktiengesellschaft in der Schweiz gesetzlich vorgeschriebene Aktienkapital von 100 000 Franken wurde am 29. Oktober 2020 voll liberiert und wenige Wochen später um 30 000 Franken erhöht. Für die ambitionierten Expansionspläne wohl eine etwas dünne Eigenkapital-Decke. Gespräche mit potenziellen weiteren Investoren und Partner scheinen stattzufinden. Eine Grundbedingung für ein erfolgreiches Durchstarten ist mindestens bereits erfüllt: Ideenreichtum und ein ungeheuerlicher Enthusiasmus der Initianten.

Binci Heeb

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