Von Kumulrisiken und Pandemieversicherung: Jahresmedienkonferenz des SVV - The Broker

Von Kumulrisiken und Pandemieversicherung: Jahresmedienkonferenz des SVV

Von Kumulrisiken und Pandemieversicherung: Jahresmedienkonferenz des SVV
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«Kumulrisiken müssen partnerschaftlich getragen und bewältigt werden», so das Motto der Jahresmedienkonferenz des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV am vergangenen Donnerstag. Gemeint war, wen wundert’s – vor allem die Coronapandemie.

Die Versicherungsbranche hat im vergangenen Jahr Schadenleistungen von rund einer Milliarde Franken erbracht und trug damit in einer schweren Zeit zur Stabilität unserer Wirtschaft bei. Will die Schweiz versicherungstechnisch besser vor einer nächsten Pandemie gewappnet sein, wird sie in Zukunft auf die Risikopartnerschaft zwischen Bund und Privatversicherern setzen müssen sagt die Branche.  

Kumulrisiken: Was ist das?

Als Kumulrisiko wird das eigentliche Katastrophenrisiko bezeichnet, unter anderem ist esTeil der versicherungstechnischen Gefahr. Gemeint ist das Risiko, dass ein einziges auslösendes Ereignis (beispielsweise Naturkatastrophen wie Wirbelsturm oder starke geografische Erdbeben) zu einer Häufung von Schadenfällung führt. Für die Versicherung stellen solche Risiken eine besondere Herausforderung dar und nur wenige Gesellschaften verfügen deshalb über Erdbebenversicherungen in ihrem Portefeuille. So AllianzBasler, MobiliarGVB Privatversicherungen AG,HelvetiaRMS Risk Management Service/LloydsZurich. Im Unterschied zu anderen Kumulrisiken treten bei einer Pandemie die Schäden weltweit, gleichzeitig und in hoher Zahl auf. 

Im Unterschied zu anderen Kumulrisiken treten bei einer Pandemie die Schäden weltweit, gleichzeitig und in hoher Zahl auf.

Durch Corona besonders stark belastet waren 2020 die Bereiche Betriebsunterbrechung-, Reise-, Rechtschutz- und Kreditversicherungen. Vom Lockdown im Frühling 2020 profitierten hingegen Unfallversicherungen. Ihr Schadenvolumen ging zurück. Im gleichen Zeitraum nahm auch das Sachenvolumen bei den Motorfahrzeugversicherungen ab, er lag Ende Jahr aber wieder im mehrjährigen Durchschnitt, weil viele Lenkerinnen und Lenker aus Angst vor dem Virus vom öffentlichen Verkehr aufs Privatauto wechselten.

2020: Kein Jahr wie jedes andere

Mit diesem Titel war das Referat des Präsidenten des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV, Rolf Dörig bezeichnend umschrieben. Zu den Grossrisiken zählen für ihn neben der Pandemie auch Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels oder globale Cyberattacken. «Wir dürfen den kommenden Generationen keinen Schuldenberg hinterlassen», sagt er. Mehr Hoffnung als Glaube? Erst die Realität wird zeigen, wie lange die nächsten Altersgruppen an den durch Corona verursachten hohen Schulden zu zahlen haben wird. Jahre, Jahrzehnte?

«Mit Schadenleistungen von rund einer Milliarde Franken trug die Versicherungsbranche zur Stabilität der Schweizer Volkswirtschaft bei» so Rolf Dörig. Die Privatversicherer seien während des Lockdowns jederzeit ihren Verpflichtungen nachgekommen und hätten täglich im Durchschnitt 140 Millionen Franken an Renten und Schadensleistungen gezahlt. Grund, dass dies möglich war, sieht er auch in der weit fortgeschnittenen Digitalisierung der Arbeitswelt der Versicherer. 

Pandemien versicherbar machen

Juan Beer, CEO Zurich Schweiz und Vorstandsmitglied des SVV machte deutlich, die Versicherungswirtschaft sei 2020 mit voller Heftigkeit daran erinnert worden, dass Gross- und Kumulrisiken rein privatwirtschaftlich nicht einfach ohne Weiteres versichert werden können. Um eine nächste Pandemie und damit einhergehende, behördlich verordnete Lockdown als Gesellschaft meistern zu können, brauche es partnerschaftliche Ansätze zwischen Versicherungswirtschaft und öffentlicher Hand. Schweizer Versicherer und der Bund arbeiten bei der Prävention von Grossrisiken wie Naturgefahren oder Cyberrisiken schon heute erfolgreich zusammen. Erdbeben und globale Cyberattacken würden jedoch weitergehende Risiken darstellen. «Um die Folgen von Erdbeben und grossangelegten Cyberattacken bewältigen zu können, sind in den nächsten Jahren gemeinsame Anstrengungen zwischen Wirtschaft, Bund und Privatversicherer notwendig», konkretisierte Juan Beer die zu bewältigenden Herausforderungen. 

Aufgrund der Coronakrise haben sich Schweizer Privatversicherer für eine Lösung eingesetzt, die es erlaubt, die Folgen künftiger Pandemien abzufedern zu können. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Bundesverwaltung und der Versicherungswirtschat hat im Auftrag des Eidgenössischen Finanzdepartements EFD verschiedene Lösungsvorschläge erarbeitet, die nun geprüft werden. Im Zentrum steht dabei eine Versicherungslösung mit staatlicher Rückendeckung, wobei die Privaten einen Teil der Schadenlast übernehmen und der Staat den Rest. «Eine solche Versicherungslösung schafft Transparenz, Planbarkeit und Rechtssicherheit», sagt Juan Beer.

Grosse Belastung des Gesundheitssystems

Dank ihren Reserven haben die Krankenversicherer die Coronakrise bisher gut bewältigt. Unklar sind mittel- bis langfristige Folgen von Covid-19, etwa der Behandlungsaufwand von Patienten mit Long-Covid. «Das Coronavirus weist medizinische Eigenschaften auf, die andere Präventionsmassnahmen als beispielsweise die Influenza erfordern. Die Impfung bildet aber womöglich die beste Massnahme gegen das Virus – und die Prävention bleibt oberstes Gebot», sagt der Basler Prof. Dr. med. Thomas D. Szucs, Vorstandsmitglied des SVV und Verwaltungsratspräsident der Helsana-Gruppe. 

Gemäss Professor Szucs, ist Covid19 ein Ereignis, welches mit Gewissheit hätte vorausgesagt werden können: «Alle, die es vorher wissen mussten, haben es auch gewusst». Der Facharzt für Prävention Gesundheitswesen und der pharmazeutischen Medizin erklärte, dass SARS-CoV-2 ein Virus sei: Das sehr früh zu starken Virusausscheidungen führe, was für Atemwegsviren eher untypisch ist». Das Virus greife zusätzlich auch die Nerven an, was in der Medizin nur sehr selten vorkomme. Seit dem Aufkommen der neuen Mutationen ist der Krankheitsverlauf über alle Alterskohorten hinweg unberechenbarer geworden. Auch immer mehr junge Menschen erfahren schwere Krankheitsverläufe. 

Obwohl eine Impfung das wichtigste Element bei der Bekämpfung dieser Pandemie gilt, ist der Anteil, der sich grundsätzlich nicht impfen lassen will laut jüngstem SRG-Corona-Monitor, nur leicht von 28 auf 24 Prozent gesunken. 

Was erwartet uns in Zukunft?

Covid-19 und zahlreiche weitere Infektionskrankheiten basieren auf Zoonosen. Etwa drei Viertel aller neu ausbrechenden Infektionskrankheiten treten zuerst bei Tieren auf. Diese übertragen sich nicht nur direkt vom Tier auf den Menschen, sondern auch von einer Art auf andere. Seit 1970 stellt die Wissenschaft weltweit ungefähr alle acht Monate eine neue Infektionskrankheit fest. Wir sollten uns schon einmal darauf vorbereiten, dass Covid-19 uns möglicherweise immer, wenn auch auf viel geringerem Niveau, erhalten bleiben wird. Und, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weitere, bisher noch unbekannte Viren schaffen werden, ernsthafte Pandemien auszulösen. 2020 war in der Tat ein ungewöhnliches Jahr. Es hat die Welt verändert.

Binci Heeb

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